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Prokrastination überwinden: Wenn Vorbereitung zum Aufschieben wird

vor 4 Tagen
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Bevor wir uns erlauben, mit etwas zu beginnen, möchten wir uns häufig erst wirklich vorbereitet fühlen. Wir wollen noch ein Buch lesen. Einen Kurs belegen. Uns gründlicher informieren. Für die ersten guten Fotos fehlt die bessere Kamera, für den eigenen Shop die professionellere Website und für das Buch erst einmal ein vollständiger Plan. 



Wenn diese eine Voraussetzung erfüllt ist, dann fange ich an. Wirklich. 

Die Idee steht, trotzdem wäre es beruhigender, noch ein wenig zu recherchieren. Vielleicht kennst du das auch: Du schiebst dein Vorhaben nicht absichtlich auf. Du beschäftigst dich sogar erstaunlich viel damit. Und dennoch entsteht nichts, das dein Vorhaben wirklich praktisch voranbringt.


Denn Vorbereitung gibt uns Sicherheit. Der Anfang dagegen macht sichtbar, was wir noch nicht können. Häufig fehlt uns deshalb nicht nur Wissen. Uns fehlt die Erlaubnis, unvollständig zu beginnen. 


Vorbereitung oder Prokrastination: wo liegt der Unterschied? 


Vorbereitung ist nicht das Problem. Natürlich brauchen manche Vorhaben Wissen, Übung oder eine bestimmte Ausrüstung.


Der Unterschied liegt darin, ob die Vorbereitung zu einer Handlung führt

Hilfreiche Vorbereitung beantwortet eine konkrete Frage: 

  • Welche rechtlichen Angaben benötigt meine Website? 

  • Wie stelle ich die Belichtung an meiner Kamera ein? 

  • Was brauche ich für den ersten Prototyp? 


Eine Vorbereitungsschleife bleibt dagegen auffällig vage: 

  • Ich muss erst noch besser werden. 

  • Ich brauche mehr Inspiration. 

  • Ich möchte mich sicherer fühlen. 

  • Ich bin einfach noch nicht so weit. 


Für dieses Gefühl gibt es keinen eindeutigen Endpunkt. Kein Buch kann bestätigen, dass wir nun genug wissen. Und so lässt sich die Vorbereitung beinahe endlos verlängern. 


Ich kenne diese Schleife selbst 

Auch ich mag es, mich in neue Themen einzuarbeiten. Ich sammle Ideen, recherchiere Zusammenhänge und möchte verstehen, was hinter den Dingen steckt. Genau daraus sind viele meiner Projekte entstanden – Marcis Kreativshop, das Inspozin.

Diese Neugier ist eine meiner größten Stärken. Sie kann aber auch zu einem sehr bequemen Ort werden. 


Denn für ein Magazin kann man sich theoretisch jahrelang vorbereiten. Nur hätte ich das Wichtigste dabei nicht gelernt. Viele Fragen zeigten sich erst, als die erste Ausgabe tatsächlich Form annahm: Welche Rubriken soll das Magazin haben? Welche Themen interessieren die Leserinnen und Leser wirklich?  Darauf gab es vorab keine vollständig belastbare Antwort. Ich musste eine erste Ausgabe gestalten, damit die zweite besser werden konnte. 


Ein weiterer Plan kann sinnvoll sein. Manchmal ist er aber auch der Versuch, den unsicheren Teil zu überspringen, jenen Moment, in dem eine Idee den geschützten Raum im Kopf verlässt und in der Wirklichkeit noch etwas unbeholfen aussieht. 



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Weshalb wir nicht anfangen: 5 Gründe hinter

der Vorbereitungsschleife 


1. Vorbereitung schützt uns vor Unsicherheit 

Solange wir recherchieren, müssen wir noch nicht herausfinden, ob unsere Idee funktioniert. Ein Buch stellt keine unangenehmen Rückfragen. Sobald wir selbst beginnen, gibt es dagegen keine Garantie mehr. Vielleicht wird das erste Foto unscharf. Vielleicht klingt der Text anders als in unserem Kopf. Vielleicht merken wir, dass die Geschäftsidee noch Lücken hat. Vorbereitung hält diese Möglichkeiten auf Abstand.


2. Lernen fühlt sich schon wie Fortschritt an 

Die Vorbereitungsschleife ist so schwer zu erkennen, weil wir dabei tatsächlich etwas tun. Wir lesen, planen, speichern, vergleichen und lernen. Am Abend können wir auf gefüllte Notizseiten und zwölf geöffnete Tabs blicken. 

Das fühlt sich produkti an, wir beschäftigen uns schließlich mit unserem Ziel. 

Und doch laufen wir manchmal nur sehr gründlich um den Startpunkt herum. 



3. Wir möchten die Anfängerphase überspringen 

Wir mögen die Vorstellung, etwas zu können. Weniger angenehm ist die Zeit, in der wir es noch nicht können. Online sehen wir fertige Fotografien, Kunstwerke, erfolgreiche Marken und Menschen, die scheinbar selbstverständlich wissen, was sie tun. Ihre ersten hundert Versuche sehen wir selten. Unser eigener Anfang wirkt daneben nicht wie ein normaler Teil des Lernens, sondern wie ein Hinweis darauf, dass wir noch nicht bereit sind. Also hoffen wir, die Anfängerphase mit genügend Wissen abkürzen zu können.



4. Wir kaufen nicht nur Dinge, sondern mögliche Versionen von uns 

Eine Kamera ist in unserer Vorstellung selten nur eine Kamera. Sie gehört zu einer möglichen Version von uns: einem Menschen, der aufmerksam durch die Welt geht und besondere Augenblicke festhält. Der Sprachkurs steht für mühelose Gespräche auf Reisen. Das schöne Notizbuch für ein Leben voller Gedanken, die es wert sind, aufgeschrieben zu werden. Mit dem Kauf fühlen wir uns dieser Version von uns für einen Moment näher. Das ist ein schönes Gefühl und dennoch noch keine Veränderung. 

Schwierig wird es, wenn wir den Aufbruch immer wieder kaufen, statt ihn zu erleben. Dann wächst der Vorrat an Möglichkeiten, während unser Alltag derselbe bleibt. 


5. Wir warten auf Selbstvertrauen, das erst beim Tun entsteht 

Oft behandeln wir Selbstvertrauen wie eine Eintrittskarte: Sobald wir kompetent und sicher genug sind, dürfen wir beginnen. In vielen Fällen funktioniert es andersherum. 

Die Psychologie spricht von Selbstwirksamkeit, der Überzeugung, durch das eigene Handeln etwas bewirken und Schwierigkeiten bewältigen zu können. Sie wächst besonders durch eigene Erfahrungen: Wir versuchen etwas, stoßen auf ein Problem und merken, dass wir einen nächsten Schritt finden können (Bandura, 1997). 

Bereit fühlen wir uns deshalb oft nicht vor dem Anfang. Wir fühlen uns etwas bereiter, nachdem wir begonnen haben. 


Und nun stellt sich die Frage:


Wie kann ich endlich anfangen und Prokrastination überwinden?

5 Schritte aus der Vorbereitungsschleife


1. Finde heraus, was dir wirklich fehlt 

Frage dich nicht nur: Was könnte ich noch lernen? Frage konkreter: 


Was kann ich nach dieser Vorbereitung tun, das ich heute noch nicht tun kann? 


Wenn du darauf eine klare Antwort hast, ist das Buch, der Kurs oder das Werkzeug wahrscheinlich sinnvoll. Wenn die Antwort lediglich lautet, dass du dich danach hoffentlich sicherer fühlst, fehlt dir womöglich kein Wissen, sondern eine erste eigene Erfahrung. 


2. Bestimme den kleinsten echten Versuch 

Ein echter Versuch ist eine Handlung, durch die du etwas über dein Vorhaben erfährst. 

Nicht: zwanzig Artikel über Fotografie speichern. Sondern: mit der vorhandenen Kamera zehn Motive fotografieren. Nicht: das gesamte Buchprojekt planen. Sondern: eine Seite schreiben. Der Versuch darf klein sein. Entscheidend ist, dass die Wirklichkeit dir antworten kann. 


3. Lerne bis zur nächsten Anwendung nicht bis zur Vollständigkeit 

Du musst einen Kurs nicht beenden, bevor du etwas daraus anwenden darfst. Probiere eine Methode aus der ersten Lektion aus. Lies ein Kapitel und nutze einen Gedanken daraus. Kehre danach mit einer echten Frage zum Lernmaterial zurück. 

So lernst du nicht mehr vorsorglich alles, was irgendwann wichtig werden könnte. Du lernst das, was dein nächster Schritt gerade benötigt. 


4. Lege vor der Recherche einen Endpunkt fest 

„Ich informiere mich noch ein bisschen“ besitzt kein natürliches Ende. Eine konkrete Frage schon. 

Schreibe deshalb vor der nächsten Recherche auf: 

  • Welche Information suche ich? 

  • Wofür brauche ich sie? 

  • Woran erkenne ich, dass ich genug weiß? 

  • Welche Handlung folgt direkt danach? 

Sobald die Frage beantwortet ist, schließt du die Tabs und probierst etwas aus. 


5. Plane den Anfang, nicht nur das Ziel 

„Ich fange bald an“ klingt hoffnungsvoll, bleibt aber unsichtbar. „Am Sonntag um 11 Uhr fotografiere ich 30 Minuten mit der Kamera, die ich bereits habe“ beschreibt einen Anfang. Konkrete Wenn-dann-Pläne können helfen, Absichten tatsächlich in Handlungen zu übersetzen (Gollwitzer & Sheeran, 2006).


Was mir persönlich gerade am Anfang meiner Projekte geholfen hat, war es alle Aufgaben die für den nächsten kleinen Schritt notwendig waren, in einem Notizbuch zu notieren. Das Notizbuch war nur dafür vorgesehen. Tag für Tag bzw. wenn Zeit dafür war habe ich die kleinen Schritte abgearbeitet. Wenn ich mit einem der Schritte fertig war, hat sich ganz von selbst der nächste herauskristallisiert, diesen habe ich dann in eine neue Liste auf der nächsten Seite notiert und den alten durchgestrichen. So sah ich Tag für Tag, wie ich vorankomme, wie alles konkreter wird und ich wirklich uns Umsetzten komme.


Wenn auch du diese Methode ausprobieren möchtest, findest du im Shop kunstvolle und inspirierende Notizbücher, die dich beim Anfangen unterstützen!


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Drei Fragen, bevor du den nächsten Kurs oder das nächste Werkzeug kaufst 


  1. Welche konkrete Lücke schließt dieses Angebot? 

  2. Was werde ich innerhalb der ersten Woche damit ausprobieren? 

  3. Welche kleinere Version kann ich mit dem beginnen, was bereits da ist? 


Du musst dich nicht bereit fühlen, um anzufangen 


Ein Teil der Vorbereitung findet vor dem Anfang statt. Der wichtigere Teil entsteht häufig mittendrin, durch Fragen, Umwege, Beobachtungen und eigene Entscheidungen.

Du musst deshalb nicht aufhören zu lernen. Aber dein Lernen darf irgendwann die Richtung wechseln: weg vom Sammeln, hin zum Ausprobieren. 



Was aus einem unvollkommenen Anfang entstehen kann


Vor der ersten Ausgabe des Inspozins wusste ich nicht, ob eine zweite folgen würde, welche Rubriken bleiben. Ich wusste nur, dass ich ein Magazin machen wollte, in dem Ideen, Wissen, Kunst und unterschiedliche Arten zu leben zusammenfinden. Alles Weitere konnte sich erst zeigen, nachdem die erste Ausgabe tatsächlich in der Welt war.

Seitdem entwickelt sich das Inspozin mit jeder Ausgabe weiter. Heute ist es ein liebevoll gestaltetes Inspirationsmagazin für Menschen, die neugierig auf andere Gedanken, Geschichten und Perspektiven sind, gern Neues entdecken und das Leben zu interessant finden, um immer nur beim Bekannten zu bleiben.


Wenn du das Inspozin kennenlernen möchtest, kannst du eine Ausgabe digital lesen oder dir das gedruckte Magazin nach Hause bestellen. Im Bundle erhältst du das Magazin zusammen mit einem Notizbuch, in dem deine eigenen Gedanken, Fragen und Ideen ihren Platz finden.


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Quellen 

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. W. H. Freeman. 

Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A meta-analysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119. https://doi.org/10.1016/S0065-2601(06)38002-1 

Sirois, F. M., Molnar, D. S., & Hirsch, J. K. (2017). A meta-analytic and conceptual update on the associations between procrastination and multidimensional perfectionism. European Journal of Personality, 31(2), 137–159. https://doi.org/10.1002/per.2098 

Sirois, F. M., & Pychyl, T. A. (2013). Procrastination and the priority of short-term mood regulation: Consequences for future self. Social and Personality Psychology Compass, 7(2), 115–127. https://doi.org/10.1111/spc3.12011

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